Montag, 28. Februar 2011

Ich bin iPhonisiert und lomografiere wieder!




Ja, das iPhone.
Ich gebe zu, es hat mich überzeugt. Schon nach zwei Tagen.
Nachdem ich 4 iPhone-Generationen über an meinem sexy black Samsung mit PrePaid Karte festgehalten und mich ab und an doch über etwas unpraktische Eigenarten geärgert habe und zuweilen nicht erreichbar war, habe ich mich überreden lassen.

Ich glaube, Parallelen zu Scientology sind nicht gänzlich von der Hand zu weisen.
Kennt jemand das berühmte Stress-Zelt?
Dieses wird in prädestinierter Düsseldorfer Innenstadtlage an Wochenenden gerne vom Chouchou und mir umkreist, immer in Versuchung dort einmal so richtig auszuflippen.
Denn dort wird mit Hilfe von Gesprächen und kirmeshaften Geräten ermittelt, wie gesundheitsgefährdend gestresst man ist und wie hoch die Eisenbahn und die Zeit ist, endlich rettende Hilfe bei den doch etwas freakigen Scientologen zu suchen.

Jedenfalls war ich das ein oder andere Mal in Gegenwart meiner Freunde angesichts meines Telefons merklich gestresst, zehn Anrufe in Abwesenheit obwohl das Gerät quasi neben mir lag.
Und da fast alle der oben genannten Gutmeinenden überzeugte iPhone-Träger sind (denn wenn man ein iPhone hat, trägt man es wirklich immer in der Hand oder zumindest ganz, ganz nah und griffbereit), folgte einem traurigen Blick immer ein aufmunterndes:
Kauf dir doch ein iPhone.

Jaja.
Nee.
Ich liebe meine Apple-Sachen sehr, aber einfach weil ich sie brauche.
Ein iPhone habe ich bisher nicht gebraucht weil ich nicht gerne telefoniere und mir Mobiltelefone daher ein Graus sind und weil ich ohnehin den lieben langen Tag vor einem Computer sitze und arbeite und auch von dort permanent mit Facebook "connected" sein kann.
Und NEIN: das eine schliesst das andere NICHT aus!

Aber dann.
Dann änderte sich unerwartet meine Arbeitssituation.
Downsizing, Outsourcing, Freistellung sagen und nicht Gekündigt.

Ich jedenfalls bin erst zu Titus und hab mir ein Longboard gekauft und dann nach Oberhausen in den Apple-Store und ein iPhone.
Geht nämlich ohne blöd-bindendes Vertragsgerummel nur da oder online bei Apple selbst.
160 Euro Longboard, 629 Euro iPhone + 15 Euro iTunes Karte.
Arbeitslosigkeit kann auch wie Weihnachten sein.

Kein Vertrag, sondern simyo, die auch Micro-SIM Karten anbieten, den bei Apple muss es ja immer die technische Extra-Wurst sein.
Dort bezahle ich fortan 9.90 für eine facebookfreundliche Internetflat und 9 Cent für jede Minute und sms. Und bei 39 Euro kosten kommt kein einziger Euro dazu. Klingt gut, und nachdem ich auch alle anderen langfristigen Verträge aufgrund meiner etwas unkalkulierbaren Situation freundlich-flexibel zurecht gestutzt habe, bin ich auch froh, hier von Monat zu Monat entscheiden zu können ob es nicht was für mich adäquateres gibt.

Aber zurück zum iPhone.
Ein Tag angucken und mich fragen, ob ich vom wilden Horst gebissen bin mir so einen Designer-Schnickschnack zu kaufen, einen Tag das Gerät immer hübscher finden und dann langsam mal gucken was es denn in diesem App-Store für die 15 Euro so zu kaufen gibt.

Und da gibt es keine Apps, sondern tatsächlich unzählige Gründe, warum ein iPhone so wahnsinnig supertoll ist.
So nützlich. So..
WIE KONNTE ICH NUR SO LANGE KEINES BESITZEN???

App Nummer eins war Hipstamatic.
Denn die iPhone Kamera macht super Digitalbilder aber Digitalbilder sind nun mal meist schöd-akkurate Pixelabbildungen der Oberfläche. Das Gefühl darunter fehlt.
Und was bei Hipstamatic raus kommt ist immer eine Überraschung, irgendwie das was man gesehen hat, aber irgendwie doch auch viel cooler.
Das ganze mit einer schönen Oberfläche, einer Retro-Mittelformatkamera, und netten auf altes Photopapier gemachten Rähmchen drum.

Und das brachte mich dann zu App Nummer zwei und zurück in alte Zeiten.
Denn vor vielen, vielen Jahren fing es mit einer LOMO-LCA an und ging dann in die Sammlung aller Lomo-Kameras über, von Action- bis Super-Sampler, über Pop9 zu Holga Kameras die ich mit Klebebändern vor Lichteinfall zu schützen versuchte.

Eine spannende Zeit. Leider auch eine teure und manchmal enttäuschende. Denn während ich munter-motiviert unzählige 36er Filme vollknipste und in freudiger Erwartung an die bestimmt toll-bunt-surrealen Ergebnisse dachte, war das was dann vom Labor zurück kam meist nur verwackeltes Mittelmaß.
Und ich musste mir in meiner Pippi Langstrumpf-Manier wieder in Photoshop die Welt so machen wie sie mir gefällt.
Bunt. Also die teuren Abzüge erst einmal einscannen.

Irgendwann wurde das zu mühselig, zu teuer, zu umständlich.
Digitalkameras kamen und ich hab jetzt sogar eine gefunden, die fast so aussieht wie eine Lomo-LCA und sogar ein drehbares Display hat. Dazu an anderer Stelle vielleicht mal mehr.
Denn so langsam muss ich die Kurve zurück zum iPhone kriegen.

Also kurz gefasst: die Lomo-Kameras wurden bis auf die LCA bei eBay verhökert und oft vermisst.
Bis zu Tag 2 meines iPhone Daseins.

Dann fand ich die LOMO-App und mit ihr die Möglichkeit, fast jede Lomo-Kamera für jeweils 79 Cent mit diversen auszuwählenden Filmen und Rahmen zu kaufen!!
Und das in verschiedenen Auflösungs-Stufen, mit Blitzt oder ohne, mit liebevoll nachgebildeter Lomo-Oberfläche und immer unerwarteten Ergebnissen die aber irgendwie immer gut sind!!

Bezaubernd und manchmal etwas enervierend zugleich ist die Nachahmung des Entwicklungs-Prozesses: ist ein Bild geknipst (ja, Sound an!!) dauert es je nach gewählter Auflösung etwas und dann wird surrend an einer Leine das fertige Bild heraus geschoben, aus dem virtuellen Rotlichtkämmerchen.

Ich bin begeistert. Das ist so praktisch!
Ich erinnere mich noch an Urlaube in denen ich eine extra Tasche nur mit Plastikkameras mit mir herum schleppte, dazu eine Tüte mit frischen Filmen und eine ängstlich beäugte mit vollgeknipsten weiteren!
Alles vorbei! Ich brauch nicht mal eine Handtasche!
Das iPhone ist wahrhaftig so flach, dass es mitsamt Schutzmäntelchen in meine Jacke passt!
Oder einfach immer irgendwie in der Hand..

Denn ich gebe zu:
Das von mir früher so schmächlich kritisierte permanent in Griffweite haben ist quasi mit dem iPhone verbunden. Man kauft das Verhalten dazu, ein Package das aber Sinn macht.

Denn in dem iPhone verstecken sich nicht nur unzählige Kameras, mein Facebook-Zugang und meine eMails, nein, auch unzählige, den eigenen Bedürfnissen anzupassende Helferlein.
Es ist nicht nur Spielerei und Entertainment, es ist auch tatsächlich nützlich!
Und damit meine ich keine Apps die den entgangenen Zigarettenkonsum oder das Wetter auf Galapagos anzeigen, sondern Arbeitswerkzeuge!!

Ein Beispiel darum zum Abschluss dieses mal wieder entgegen meiner Intention abgeschweiften blog-Beitrages:
iFee.
Ich war kürzlich in einem Buchladen, auf der etwas verzweifelten Suche nach einem aktuellen Leitfaden der mich aus meinem Orientierungsloch bezüglich Honorarkalkulationen für die diversen Gestalter-Tätigkeiten heraus klettern lässt.
Die aktuelle Ausgabe des AGD Vergütungsvertrages Design ist von 2006 und kostet 30 Euro.
Die zufällig in der PAGE entdeckte App iFee kostet 79 Cent (Angebotspreis) und ist FANTASTISCH!
Ich kann den von mir gewählten Stundensatz eingeben, erhalte anzupassende Stundenvorschläge und er kalkuliert auf dieser Basis für alle vorstellbaren Aufträge die Kosten, inklusive der variablen Einstellung der Nutzungsrechte.
Für Aussenstehende vielleicht unwichtig, für mich aber eine wirklich unglaubliche Erleichterung und Hilfe. Ich kann echt besser schlafen seitdem!

Ich kann also nach etwas über eine Woche sagen:
Ich bin Mitglied in der freakigen Sekte der iPhone-mit-sich-Rumträger.
Kommt rein, ihr werdet nie wieder ohne sein wollen!
Allerdings könnt ihr es vermutlich auch nicht mehr...
Gruselig.
Aber auch schön. Ich kicher viel öfter nachdem ich ein Foto gemacht hab...