neuer Rundgang.
Alte Frage: Ist das Kunst oder kann das weg?
Neue Antwort: Ja, bitte.

Jaja, die Kunstakademie. Ein Tempel der klingenden und schillernden Namen, ein Mysterium für uns Unwissende ohne akademisch bescheinigte Ästhetik.
Aber einmal im Jahr öffnen sich die drei Meter hohen Pforten, stehen Pförtner und Sicherheitsmann artig Spalier, werden die mit Stipendien gesalbten KÜNSTLER in spe verpflichtet, hinter ihren Taten und uns Interessierten Rede und Antwort zu stehen.
Ja. Der Chouchou und ich interessierten uns wahrhaftig.
Was machen die wohl da drin?
Egal zu welcher Uhrzeit, auf unserem Weg vom Hofgarten zum Altbier auf der Ratinger Strasse brannte noch immer irgendwo ein Licht in diesem königlich anmutenden Palast und nicht nur mein mentaler Greenpeace-Energy-Stromzähler im Kopf blinkt da jedes mal auf.
Es ist: pure Neugier.
Was machen die da drin?
Namen wie Immendorf und Lüpertz geben die Richtung, aber meine Gedanken schweifen immer ab.
Unser guter Jupp.
Beuyssche Butterschlachten zur später Stunde…
Filzige Bastelstunden.
Heute ist der Tag der Erhellung.
Sonntag.
Nachdem die Schlange am gestrigen Samstag die inakzeptable Länge bis zur Brauerei Füchschen erreicht hat, kann man heute die als letztes Glied die Auslagen im Kunstkramladen betrachten.
15 Minuten zwischen iPhonisierenden Künsterfreunden und distinguiert nach Studienrat Facon gekleideten Herrschaften reichen fast um mich doch mit ArtCard ins K20 zu wünschen. Da weiß man was man hat.
Aber wir wollen ja wissen was es mit der Kunstakademie auf sich hat.
Ich erwarte ein Potpourri an Buntem, ein Spektrum von Wow bis Ähhhhh und umgekehrt.
Ich weiß eigentlich gar nicht mehr was ich erwartet habe.
Denn bekommen haben wir eine Art Twillight Zone.
Ein Paralleluniversum des Bizarren und Befremdlichen.
Man schimpfe mich einen Ignoranten, einen Banausen, einen Cretin.
Bitte.
Man überschütte mich mit Kübeln voller Vorwürfe.
Wohl zu Recht, denn ich habe immer noch KEINE Ahnung was die da drin machen. Lernen. Gestalten.
Ich kann nur den Eindruck dessen wieder geben, was ich dort zu sehen bekam.
Oder wie es auf mich gewirkt hat.
Dies und nur das.
Die Antwort ist bereits zusammen gefasst in der Frage die die Richtung dieses Blogbeitrages weist, oben in der Überschrift.
Und in der weiteren die ich immer wieder ungläubig an den vor sich hin kichernden Chouchou stellte.
Am Anfang flüsternd, später fast schreiend:
WOLLEN DIE MICH VERARSCHEN??
Gut. Es gab in der Tat eine ganze Reihe von Bildern, die ich mir auch sehr gerne in einem etablierten Museum einer europäischen Metropole angesehen hätte.
Die ich gar schmeichelhaft beleuchtet in meinen Salon hängen würde, voraus gesetzt ich hätte einen solchen.
All diese in meinen Augen wirklich schon meisterhaften Werke möchte ich ausklammern und es tut mir leid, mir in meiner Trance der Bestürzung über den Rest nicht die Mühe gemacht zu haben, die Namen dieser Glühwürmchen im Wald des Grotesken zu notieren.
Vielleicht ist es gut so.
Sollte je ein Kunstakademist diesen schmachigen Text lesen:
Du warst mit Sicherheit eines dieser Glühwürmchen!
Gräme dich nicht und vergiss diese imposanten Hallen denen man den Frevel angetan hat, sie mit Farbe zu besudeln und Unrat in ihr zu Installationen aufzutürmen.
Denn so ist nun mein Bild vom Inneren dieses sandsteinernen Monuments:
Schmutz und Unrat, in Farbe getränkt, wahlweise in Tonnen, oft auf dem Boden, aber meistens an der Wand oder in der Mitte des Raumes, fabelhaft ausgeleuchtet und bestaunt.
Bestaunt von erstaunlich klischeehaften "Künstlern" und Kunstakademisten, mit struppigem oder extrem fesch onduliert und gestriegeltem Haar, meist nach "Vintage" oder "Bohemien" Art gekleidet, sehr oft eine Zigarette aus bröselndem Tabak mit verwegen rot lackierten Fingernägeln drehend, eine Flasche Altbier lässig an die vor Langeweile und Weltläufigkeit nach unten zeigenden Mundwinkel geschmiegt.
Dazu selbst gemachter Kuchen und diesen herum krümelnde Kinder.
Flapsig und sich selbst nicht wichtig nehmende Zettel an den Türen die zu den Gralen ihrer Schaffenskraft führen: Werk drei von xy@yahoo.de.
Falls Interesse besteht. Ein Stipendium, ein Käufer.
Ich war kurz davor alle abzufotografieren und ihnen die Adresse meines Beraters beim Arbeitsamt zu geben.
Oder die meiner Mama.
Kind, lern was Anständiges. Werd Friseur, denn Haare wachsen immer.
Epilog:
Nach einer Stunde farbstaubigem Staunen entdeckte ich in der Welt hier draussen dann die Fortführung der Welt da drinnen.
Eine Imbissbude mit gemalten Bildern an den Wänden.

Auf den ersten Blick unprätentiös und vielfältig.
Auch hier ein Panoptikum von ausdrucksstark bis verstörend.
Im ersten Moment ohne diese Aura des über uns Unwissenden schwebenden Meisterschülers.
Dafür mit Pommes Mayo.
Wie die gute Mutter Ey mit ihrer Bäckerei damals.
Und beim Gedanken an diese heraus ragende Person in der Geschichte Düsseldorfs und der Kunst im Rheinland dämmerte es mir:
Die Geschichte wiederholt sich auch hier!
Hungrige Studenten tauschen ihre Lust auf Fettiges gegen ein paar Pinselstriche ein.
Erbarmt sich ein Gastwirt und wird so über die Jahre hinweg zum Galeristen!
Die Idee gefiel mir.
Und ich kann zwar das Innere der Kunstakademie nicht aufräumen, aber meine Einstellung zu Sperrmüll.